Zwischen den Kulturen

Schwiegereltern zwischen den Kulturen

11. September 2016

Es war ein wunderschöner Spätsommertag…Jeder andere Mensch hätte gerne etwas entspannendes mit einem Kleinkind und einem Baby gemacht (unmöglich, was für eine Aussage! Kind? Baby? entspannend?), wie schwimmen gehen, ein Tag im Wald, etc. aber es war „Schwiegermonster-Day“ angesagt. Jedes Treffen ist bezeichnend. Was wird es diesmal sein? Dummer Spruch, kleine Spitze? Wenn ich mich wehre, habe ich dann gleich Mann und Mutter am Hals? Fragen über Fragen, die sich am Ende des Tages doch immer wieder relativieren.
Der erste Moment verlief noch reibungslos aber dann ging es los. Rumgezänker und kleine Spitzen…Wie gut das wir in einem Park waren, indem man mit dem Baby auf dem Rücken schön vor laufen konnte. Das Verrückte bei dieser Art von Konflikt ist jedoch, das man meistens gleich beide am Hals hat, wenn was ist. Die eine Partei während dem Konflikt, die andere Partei danach, mit der Aussage, wie daneben man sich doch benommen hat, keine Manieren, kein Anstand, blablabla. PSYCHOTERROR.
Danach war der Tag wie verhext…Stress mit dem Mann, mit dem Kleinkind in den Brunnen gefallen, klatschnass, Tragehilfe auf dem Weg aus dem Fahrradanhänger verloren. Das Lustigste war jedoch der Moment, in dem mein Kind die Karte der Großmutter in den Müll schmiss und auf türkisch sagte, “ Aferin“ (Gut gemacht). Danach sind wir jedoch beide im Brunnen ausgerutscht. „Die kleinen Sünden,…“
Die Kinder spüren wenn was nicht stimmt. Natürlich habe ich dafür auch eine Moralpredigt erhalten, obwohl ich sie nicht hinein geschmissen habe.*Trotzdem GRINS
Ich stehe vor der Haustür, tatsächlich wie ein begossener Pudel und weiß nicht, wie ich ein 10 kg schweres Kind und 15 kg schweres Kind alleine in den 4. Stock hochtragen soll. Ich fahre zurück zum Park, mit der Hoffnung die Tragehilfe zu finden. 7 km einfach!…und siehe da…jemand hat sie über ein Geländer bei der Haltestelle gehängt. All meine Wut und Trauer verpufft. Ich grinse vor mich her und denke mir „Ja, so cool ist Gott! Mir egal, ob der Göttergatte seinen Frust wieder mit seinen Jungs vertrinkt. My day is made!“
Zu Hause angekommen ist es wie von geisterhand total einfach die Kinder zum Schlafen zu bringen. Kein großes Rumgezänke. Standardgebrüll. Stillen. Rumgeschmuse. Einschlafen.
Ich weiß auch von „deutschstämmigen“ Freundinnen, das es schwer mit den Schwiegereltern ist, aber wenn noch zwei konträre Kulturen miteinander „kämpfen“ wird es nicht einfacher. Es ist tatsächlich dieses Gefühl von „Boah, hab ich die Nase voll von der spießigen Sippe“. Aber was tun?
Am Besten vielleicht aus dem Weg gehen? Nein, erst recht nicht! Genau das ist es doch, warum solche Stimmungen entstehen. Jede Partei versucht zu sein, seine Kultur den Kindern einzublößen. Es geht schon lange nicht mehr um Rassentrennung, es geht um den Kampf der Kulturen. Da bekommt man zu Weihnachten Bücher über Weihnachten mit Jesus-Sticker auf der Rückseite geschenkt (Ich liebe Jesus wie ich einen Gelehrten liebe, aber meine Kinder sollen ihn selbst kennen lernen auf ihre Art), man soll doch nur deutsch mit den Kindern sprechen, damit sie eine Sprache richtig können sollen, bekommt gesagt, wie schön doch die Haarfarben der Kinder sind, weil sie der eigenen Haarfarbe ähneln. Also nur die Haarfarbe zählt, nix anderes! etc. Es nervt sich immer wieder beweisen zu müssen, wie integriert man doch ist…“Ja, meine Eltern gehen nicht in die Mosche…Ja, meine Mutter trägt kein Kopftuch…ja, mein Vater trinkt auch mal gerne eine Weinschorle, früher hat er sogar Schweinefleisch gegessen ich auch“, Integration beginnt also mit Bier, Weinschorle, Schweinefleisch und Kartoffelsalat?! Das sind die Merkmale einer gut integrierten türkischen Familie?
Doch das Leben geht weiter…Irgendwie…Morgen ist wieder ein neuer Tag…Diesmal bei meiner Familie…

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