Wissenswertes

Wurzeln der türkischen Küche

6. Juli 2017
  • Die geografische Spannweite der türkischen Küche

Die geografische Spannweite der türkischen Küche reicht von Mittelasien bis Marokko, vom Jemen bis fast nach Wien. Die türkische Küche war stets offen für fremde Einflüsse. Ausländische Speisen wurden von Reisen und Kriegszügen mitgebracht und aufgenommen und natürlich auch exportiert. Kaffee, Apfelstrudel bzw. Blätterteig haben an den Toren von Wien auch nach Europa sehr früh Ihren Weg gefunden :). Ein weiteres, schönes Beispiel hierfür ist die unter Russen als auch Türken bekannte Borschtsch-Suppe, die vor allem in den Monaten Oktober bis März im Norden gegessen wird

  • Mythos und Wahrheit

Vor vielen Jahren besuchten türkische Journalisten China und kamen dabei in die kleine Provinz Turpan mitten in der Wüste Gobi und bekamen hier Fleisch am Spieß, einen klassischen „Sis Kebap“ serviert.
Gar nicht so weit entfernt wenn man bedenkt, das die Türken aus Mittelasien, dem heutigen China nach Kleinasien, Anatolien kamen. Laut Mythologie zeigte ein grauer Wolf dem türkischen Stamm, der sich auf der Flucht vor Dschingis-Khan befand, den Weg in eine Höhle im Tienschan-Gebirge. Ohne diesen Wolf hätten es die Türken nicht nach Anatolien geschweige denn als Gastarbeiter nach Deutschland geschafft. 🙂 Das ist jedoch nur ein Mythos. Mittlerweile weiß man anhand von Ausgrabungen, das die Türken schon wesentlich früher zwischen Ost und West gependelt sind, ihren Weg nach Anatolien gefunden haben, nicht zuletzt auch aufgrund des Handels auf der Seidenstraße.

  • Das Essen der armen, arbeitenden Bevölkerung bestand meist aus:
    – Eintöpfen (sulu yemekler)
    – Teiggerichten (Eriste, Manti)
    – Fladenarten (Türlü Pideler)
    – Fleischgerichten (Köfteler, Kebap)
    – Suppen (Corba)
    – gebratenen Wildkräutern (kizartilmis Otlar)
    – etc.

Bis heute hat es mich verwundert, welche Kräuter meine Mutter schon alles angebraten und mit Knoblauchsauce serviert hat. Sauerampfer wird beispielsweise gerne als Verdauungssnack zum Essen serviert.

  • Rakitafeln vs bürgerliche Küche

Weiterhin wird unterschieden zwischen der türkischen, bürgerlichen Küche und den klassischen Rakitafeln. Die traditionell, bürgerliche Küche ist meist recht einfach gehalten und ohne Alkohol. Gerne werden bei Ramadan zum Fastenbrechen und bei anderen besonderen Anlässen wie Hochzeiten (3 Tage wurden diese gefeiert).

  • die Gänge der bürgerlichen Küche

1. Gang
Suppe
2. Gang
Eierspeisen
3. Gang
Wahlweise Fisch, Geflügel oder Fleisch als Hauptgericht
4. Gang
warme oder kalte Gemüsegerichte
5. Gang
Teigwaren
6. Gang
Dessert
7. Gang
Obst und Mokka

  • die Gänge der Raki Tafeln

Sehr bekannt sind die Tafeln der Feudalherren. Bei diesen gab es sogar 11 Gänge:
1. Gang
Kalte Vorspeisen
(eingelegtes Gemüse, Käse, Schinken, Wurst, Preßrogen, Kaviar, Nüsse, Gurken mit Joghurt (Cacik), Salat aus weißen Bohnen (Piyaz), Bohnen in Öl
2. Gang
Warme Vorspeisen
gebratene Muscheln, Leberwürfel, Kalbshirnfladen, Teigröllchen
3. Gang
Fisch oder Hummer
4. Gang
Fleischgerichte
5. Gang
Geflügel oder Wild
6. Gang
Gemüsegerichte
7. Gang
Teigwaren
8. Gang
Verdauungssuppe
9. Gang
Dessert
10. Gang
Obst
11. Gang
Mokka

  • Rakitafeln für Jedermann

Früher waren die Rakitafeln wirklich nur Feudalherren und Adeligen vorbehalten. Nach dem 1. Weltkrieg mit Gründung der Republik wurden sie in das kulturelle Leben von jeglichen sozialen Schichten aufgenommen. Eine Rakitafel dient nicht dem Betrinken oder dem „Vollfressen“, sondern sie dient dem Dialog und dem Austausch unter den Menschen. Am Schönsten sind sie noch begleitet mit guter Musik. :)Eine abgeschwächte Form kann man hier in Deutschland in „Türkü Bars“ erleben in denen oft auch abgetrennt Shisha geraucht wird.Wie man sieht, haben die Türken ganz schön viel Gepäck auf dem Fell :D.

 

 

 

 

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