Zwischen den Kulturen

#Zwischen Raubtieren und Lämmern, Report aus dem Block #Das Herz geht auf

6. März 2017

Ich laufe die Straßen entlang…Müll ziert die Gassen…Kinder brüllen in den Gassen….Der Dönerladen ist leer und ich frage mich wie er überhaupt seit Jahren überlebt…der Kiosk ist rege besucht…DER Treffpunkt im Viertel egal ob kalt oder warm….

Nichts ist besonders, nichts ist anders, nur dieser eine Moment. Ich sehe Mädchen mit Rollerskates herum fahren. Sie sind zwischen 8 und 11. Ich kenne sie, sie sind Türkinnen. (Kein Migrationshintergrund, ich mag das Wort einfach nicht). Einen Moment bleibe ich stehen, lächle, sehe wie die Sonne hinter den Wolken durchblitzt. Das einzige Wort, das mir in den Sinn kommt ist Ashk. Es ist aber nur ein Moment, im nächsten Moment denke ich an die Türkei, an die Mädchen dort, an meine Urlaube in unserem Dorf. Wie frei auch diese Mädchen immer doch irgendwie waren. Frei herumliefen im Dorf. Die Hunde ärgerten, Obst aus Nachbars Garten klauten, frech reimten. Wie schön doch Freiheit ist. Diese Freiheit ist in Gefahr, fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Was wird als nächstes passieren? Ein gewisser Unmut überkommt mich. Meine Mundwinkel sind wieder unten. Meine Stirn voller Falten.

In diesen Momenten fühle ich mich hilflos, ich empfinde tatsächlich Angst. Angst davor im Exil zu leben, Angst davor meinen Kindern nie die Erde zeigen zu können auf der ich zur Welt kam, Angst davor meine Kinder, meine Neffen und Nichten an Extremisten zu verlieren, weil wir als alevitische Minderheit schwach und sehr verletzlich sind. Ängste Überschlagen sich in meinem Geist. In der Türkei eine Minderheit, in Deutschland eine Minderheit, Worldwide!

Das sind die Momente, in denen mir bewusst wird, wie nah die Gefahr ist, näher als vermutet, näher als gedacht. 

Ich sitze mittlerweile am Bahnhof und hab drei türkische Mädchen, junge Mädchen neben mir. Ich höre ihnen zu. Das Mädchen in der Mitte trägt Kopftuch. Sie wissen nicht, das ich sie verstehe. Den sie sprechen frei :). Sie unterhalten sich darüber, wer in welche Moschee geht. Mein erster Gedanke ist wieder, wird es so bleiben? Werden diese Mädchen immer so frei sprechen können?

Wieder mache ich mir Sorgen. Ich würde sie so gerne einfach ansprechen, manchmal mache ich das auch. Versuche sie in ein Gespräch zu verwickeln. Diesmal nicht. Hoffnungslosigkeit? Ich weiß es nicht…Das eine Mädchen sagt, sie will Grundschullehrerin werden, die andere Kindergärtnerin. Wie schön, das sie Ziele haben. Ich wünsche es ihnen so sehr. Denn Frauen die arbeiten dürfen sind ein Segen für die Gesellschaft. Da ist sie wieder, die Sonne die durch die Wolken durchblitzt, mein Herz erwärmt, wieder ein wenig Hoffnung…:)

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